Blind kochen – Kramschublade

Es gibt eine Reihe von Küchen-Hilfsmitteln für blinde und sehbehinderte Menschen. Bei den Geräten wie Herd, Backrohr und Geschirrspüler ist es wichtig, dass sie über tastbare Knöpfe oder Schalter verfügen. Obwohl Handys mit Touchscreen per Sprachausgabe für Blinde gut bedienbar sind, scheint es solche Haushaltsgeräte (noch) nicht zu geben. Ein Herd mit Touchscreen ist nicht bedienbar und kann auch nicht angepaßt werden. Bei unserem Backrohr, das über altmodische Drehschalter verfügt, haben wir die Temperatur in 50 Grad-Schritten mit einem Markierungspunkt gekennzeichnet. Wenn man 180 Grad benötigt, muss der Zeiger zwischen 150 und 200, aber etwas näher an 200, eingestellt werden. Das ist nicht ganz genau, aber ausreichend.

Einbauküche aus Holzwerkstoffen, in typischer L-FormBildquelle: © Wikipedia

Kleine Helferlein

Ein wichtiges Hilfsmittel ist die Küchenwaage mit Sprachausgabe, die in verschiedenen Ausführungen in speziellen Hilfsmittelshops angeboten wird.
Dort gibt es auch folgende Küchenhelfer, die bei uns teilweise im Einsatz sind bzw. waren:
Ei-Trenner zum Trennen von Dotter und Eiweiß (ein Plastikteil mit einem kleinen Loch, durch das das Eiweiß durchrinnt, aber der Dotter abgefangen wird)
Füllstandsanzeiger, der beim Erreichen eines bestimmten Flüssigkeitspegels im Glas piepst. Diesen holen wir aber nie hervor, weil sich das Einschenken auch anders bewerkstelligen läßt – natürlich ohne einen Finger ins Glas zu halten: entweder man spürt beim Eingießen heißer Flüssigkeiten, bis wohin die Tasse schon erwärmt ist, oder man hebt sie hoch und merkt durch das Gewicht, wie voll sie ungefähr ist. Beim Zubereiten einer einzelnen Tasse Tee kann man auch vorher mit der Tasse die benötigte Wassermenge abmessen und das kochende Wasser dann unbesorgt zur Gänze einfüllen.
Brotmesser mit Schiene: parallel zum Messer befindet sich eine Schiene aus Plastik, die das gerade Abschneiden von Brot erleichtert. Die Entfernung zwischen Messer und Schiene läßt sich stufenlos verändern, sodass die Scheiben beliebig dick geschnitten werden können.
Piep-Ei: ein kleines Gerät in der Form eines Eis, das zu den Eiern in den Topf gegeben wird und unterschiedliche Melodien abspielt, je nachdem, ob das Ei weich, mittel oder hart gekocht ist. Das Gerät funktioniert mit Batterie und muss weggeworfen werden, wenn die Batterie leer ist, sie kann nicht getauscht werden. Ist also nicht sehr umweltfreundlich. Nachdem unser erstes Piep-Ei den Geist aufgegeben hat, haben wir es nicht ersetzt, denn man kann genauso die Weckfunktion des sprechenden Handys verwenden. Ein ähnliches Hilfsmittel gibt es für das Kochen von Teigwaren.

Beschriftungen

Im Laufe der Zeit haben wir ein recht gutes System entwickelt, um unsere Lebensmittel zu beschriften. Lebensmittel, die wir immer daheim haben (wie Mehl, Zucker usw.) sowie alle gewürze füllen wir in gut schließende Plastikbehälter bzw. Aluminiumdosen, die wir mit Blindenschrift gekennzeichnet haben. Gewürze und Tees haben wir alphabetisch geordnet, um das Suchen zu erleichtern. Andere Produkte (Dosen, Gläser) beschriften wir mit dem „Penfriend“, einem kleinen Gerät, mit dem Klebe-Etiketten mit einer Audio-Aufnahme versehen werden können. Man kann auch längere Nachrichten aufnehmen, z.B. auch Haltbarkeitsdatum und Kochanleitung. Eine Etikette kostet nur wenige Cent.

Apps

Auch Handy-Apps kommen bei uns in der Küche zum Einsatz.
Seeing AI (AI steht für Artificial Intelligence): die App kann Texte erkennen und vorlesen und so läßt sich manchmal erkennen, ob man es zum Beispiel mit einem Glas Kichererbsen oder Essiggurken zu tun hat – funktioniert aber nicht immer.
Be my eyes: durch die App kann man Sehende, die sich dafür registriert haben, per Video-Telefonat kontaktieren und so telefonisch Hilfe einholen.
Barcode-Reader: es gibt auch einige Apps, die den Barcode eines Produkts erkennen und vorlesen können. Ich finde das recht mühsam, weil man die Stelle, wo sich der Barcode befindet, erst einmal finden muss.

Nicht speziell und trotzdem hilfreich

Für Salz, Pfeffer, Muskat und Chili verwenden wir Mühlen, die sich in Form und Größe unterscheiden und so "auf den ersten Blick" zu erkennen sind.
Als letztes möchte ich noch etwas erwähnen, das kein spezielles Hilfsmittel ist, aber doch sehr hilfreich: Handschuhe aus Silikon, die fast bis zu den Ellbögen reichen und mit denen man Auflauf- und Kuchenformen sicher aus dem Backrohr holen kann.

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