Zotter Schokoladen Manufaktur – Riegersburg – Kulinarische Welt – Handel

Schon lange wollte ich die Zotter Schokoladen Manufaktur besuchen, nur die lange Anfahrtszeit von Wien aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln (ca. 4 Stunden, zweimal umsteigen) hat mich davon abgehalten. Nun haben wir einen Kurzurlaub in Graz für den Besuch genutzt. Von Graz aus fährt man noch etwa eine Stunde mit der -s-Bahn nach Feldbach, danach noch 10 Minuten mit dem Taxi.
Ich habe mich auf der Firmen-Homepage sowie durch Interviews und Podcasts schon vorinformiert und gut auf den Besuch vorbereitet.

Schokobrunnen in der Zotter Schokoladen ManufakturSchokoladenbrunnen in der Zotter-Manufaktur (Bildquelle ©: Blinde Tomate)

Über Zotter

Josef Zotter, geboren 1961 in der Steiermark, absolvierte die Ausbildung zu Koch, Kellner und Konditor, und arbeitete u.a. im Hotel Hilton in Wien. 1987 eröffnete er vier Kaffeehäuser in Graz, 1996 musste er Insolvenz anmelden und drei der vier Lokale schließen.
1999 eröffnete er die Zotter Schokoladen Manufaktur am jetztigen Standort in der Oststeiermark (Bergl bei Riegersburg), wo davor seine Eltern eine kleine Landwirtschaft und ein Gasthaus betrieben.

Bean to bar: Von der Kakaobohne zur Schokolade

Die Kakaobohnen werden aus fairem Handel bezogen, vor allem aus Südamerika, aber auch aus Asien und Afrika. Seit 2006 stammen alle Rohstoffe für das gesamte Sortiment aus kontrolliert biologischem Anbau.
Seit 2007 verfügt Zotter über eine eigene Kakaorösterei und produziert so im sogenannten Bean to bar-Produktionsverfahren: von der Bohne zur Tafel Schokolade wird alles selbst gemacht. 2012 kam noch eine eigene Kaffeerösterei dazu.
2014 eröffnete er in Shanghai eine Schokoladen-Erlebniswelt mit Verkostungstour nach österreichischem Vorbild, die von seiner Tochter Julia Zotter (Jahrgang 1987) aufgebaut und geleitet wurde. Diese „Außenstelle“ besteht weiterhin, Julia Zotter ist aber wieder im Stammhaus tätig, so wie auch ihr Bruder.

Schokoladensorten

Neben dem Engagement für Umwelt, soziale Arbeitsbedingungen und faire Handelsbeziehungen sticht Zotter durch seine Innovations- und Experimentierfreude hervor.
Es gibt derzeit ca. 400 unterschiedliche Geschmacksrichtungen, ständig kommen neue dazu, während andere wieder am "Ideenfriedhof" begraben werden.
Ein Markenzeichen sind die ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen wie z.B. Fisch, Essig, Bergkäse, Brotschokolade mit recyceltem Brot sowie Schokolade mit Grammeln (Grieben).
2011 schockte Zotter mit seiner Blutschokolade (mit schweineblut), die sich aber nicht durchgesetzt hat, ebenso wenig wie Insekten in Schokolade.
Mutige Besucher und Besucherinnen können "Buffalo Worm auf weißen Mandeln" und "Heuschrecken in Weißwein" in der Manufaktur kosten; im Handel sind sie nicht erhältlich.
Es gibt aber nicht nur Tafelschokoladen, sondern auch Pralinen, Trinkschokolade, Kuvertüre, Kuchen im Glas, Nougataufstriche und einiges mehr. Auch vegane und laktosefreie Produkte sind im Sortiment.

Der Zotter Minni-Schokoladen-PaternosterVerschiedene Schokoladensorten, die im Minni-Paternoster ihre Runden fahren und zum Probieren entnommen werden können (Bildquelle ©: Blinde Tomate)

Der Rundgang durch die Manufaktur

Beim Rundgang durch die Schokoladen Manufaktur kann, nur durch Glas getrennt, ein Blick in die Produktion geworfen werden und sehr, sehr viel verkostet werden.

Nun sind wir also letzten Freitag (3. Mai 2019)von Graz aus angereist. Nachdem uns ein 20-minütiger Film gezeigt wurde und wir mit Audio-Guide ausgestattet waren, haben wir unseren Rundgang treppauf, treppab begonnen.Zu probieren gab es sehr viel: von Kakaobohnen aus verschiedenen Ländern über die Kakao-Rohmasse bis zu den fertigen Schokoladen aller Art. Da ich schon drauf vorbereitet war, dass es sehr viel zu verkosten geben wird, habe ich mich etwas zurückgehalten und immer wieder auch einmal etwas ausgelassen. Es ist einfach nicht möglich, alles zu probieren, wenn man bis zum Schluss durchhalten will. Sehr interessant fand ich den Vergleich von der weißen Schokolade über Milchschokolade bis zu 100% Kakaoanteil – wobei letztere fast wie Medizin schmeckt. Ich war überrascht, wie gut 60 bis 80%ige Schokolade schmecken kann. Ich weiß noch nicht, ob das der Atmosphäre zuzuschreiben ist, so wie im Urlaub vieles besser schmeckt, oder ob es an der Qualität liegt. Am besten hat mir natürlich Nougat geschmeckt – es gab nicht nur Mandel und Haselnuss, sondern auch Cashew, Macadamia, Pistazien, Erdnuss und Sesam-Nougat – letzteres fand ich besonders gut.Die letzte Station war ein Förderband, auf dem diverse Schokoladen vorbeifuhren und nochmals gekostet werden konnten, bevor es in den Verkaufsraum ging.
Im Shop war ich durch die Fülle des Angebots etwas überfordert und es hat mir leid getan, dass ich nicht während der Tour meine Lieblingsgeschmacksrichtungen notiert habe. Das möchte ich jedem empfehlen, der die Manufaktur besucht.
Nach dreistündigem Rundgang war mein Schoko-Appetit gestillt, mir war aber nicht übel, so wie es mir prophezeiht worden war. Schon am nächsten Tag haben wir die Bergkäse-Schokolade , die wir gekauft hatten, geöffnet und genossen.
Falls wir wiederkommen, würde ich mehr Zeit für den Besuch einplanen, am besten einen ganzen Tag, um alle Audio-Informationen in Ruhe anzuhören und die vielenKostproben auf der Zunge zergehen zu lassen. Es gibt auch noch den „Essbaren Tiergarten“, wo Besucher und Besucherinnen einen Teil von Zotters Bio-Landwirtschaft besichtigen können, unter anderem mit Kräutergarten und Streichelzoo. Wir haben ihn aufgrund der fortgeschrittenen Zeit, aber auch wegen des Nieselregens, nicht mehr besucht, vielleicht das nächste Mal.

Informationsquellen

Mit folgenden Beiträgen habe ich mich auf den Besuch eingestimmt:

Josef Zotter über die Schokoladen-Manufaktur:

Podcast Feinschmeckertouren auf Besuch bei der Schokoladen Manufaktur 2018:

Interview mit Julia Zotter aus dem Jahr 2015, dauert 30 Minuten und ist schon ein paar Jahre alt, ich finde es aber sehr hörenswert. Es geht auch um das Leben in China im allgemeinen.

Adresse

zotter Schokoladen Manufaktur GmbH
Bergl 56
8333 Riegersburg, Österreich

Eine Antwort auf „Zotter Schokoladen Manufaktur – Riegersburg – Kulinarische Welt – Handel“

  1. Gestern haben wir der Zotter-Schokoladenmanufaktur wieder einen Besuch abgestattet, uns einen ganzen Tag Zeit genommen und uns beim Verkosten nicht zurückgehalten. Gleich zu Beginn kosteten wir uns durch die rohen Kakaobohnen der verschiedenen Anbauländer und staunten über die Unterschiede im Geschmack. Mein Favorit war Wieder Nougat, z.B. mit Sesam oder Kürbiskernen. Das Restaurant im Essbaren Tiergarten ist leider im Winter geschlossen, so konnten wir nur eine Kleinigkeit in der „Flügel-Bar“ essen. Das Angebot ist dort zwar sehr klein, es gibt aber auch etwas Vegetarisches (Kürbiskernaufstrich) und Veganes (Humus). Wir hatten besonderes Glück: plötzlich kam Herr Zotter persönlich mit einer Gruppe regionaler Politiker und Journalisten ins Lokal und erzählte über seinen Werdegang und seine Firma. Den Grund für die Veranstaltung konnte ich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit herausfinden, ich vermute es war die Verleihung eines Ehrenpreises des Landes Steiermark vor einigen Tagen.

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