Tomaten – Warenkunde

Die Tomate (Solanum lycopersicum), in Österreich auch Paradeiser genannt, gehört zur Familie der Nachtschattengewächse und ist verwandt mit der Kartoffel, dem Paprika, der Melanzani, dem Tabak und der Tollkirsche. Sie ist eine Mischung aus Obst und Gemüse, ein sogenanntes „Fruchtgemüse“. Die Tomaten sind biologisch gesehen Beeren, wie auch Bananen und Gurken.

Die Tomate stammt aus Mittel- und Südamerika und wurde um 1500 nach Europa gebracht, wo sie zuerst für giftig gehalten wurde und deshalb als Zierpflanze Verwendung fand.
Um 1900 war die Tomate auch schon in Deutschland als Lebensmittel bekannt und wurde vorwiegend in Saucen, Suppen und Salaten gegessen. Heute ist sie das Lieblingsgemüse der Deutschen, der Pro-Kopf-Verzehr beträgt 25 kg pro Jahr.
Von Kartoffeln wird zwar die doppelte Menge gegessen, diese gelten aber laut Weltgesundheitsorganisation nicht als GEmüse.

blaue TomateBlaue Tomate, bei Vollreife fast schwarz ⚓︎1

Die weltweit größten Produzenten sind China, Indien und die USA; die größten Produzenten in Europa sind Spanien und Italien.
In Deutschland und Österreich taucht immer wieder die Frage auf, ob in Bezug auf Umweltverträglichkeit Tomaten aus Spanien oder aus den Niederlanden besser abschneiden. Diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten, da mehrere Faktoren zusammenspielen: Wasserverbrauch, Energieverbrauch, Transportwege, Arbeitsbedingungen und der Einsatz chemischer Mittel.
Im wärmeren Spanien werden die Tomaten in Folien-Gewächshäusern, unter Plastikplanen, gezüchtet, in den Niederlanden in Glas-Gewächshäusern. Vorteil der Glas-Gewächshäuser ist, dass sie besser isoliert sind und die Nützlinge, die zur Bestäubung und zur Bekämpfung von Parasiten eingesetzt werden, nicht entkommen können. Aus diesem Grund müssen in den Niederlanden weniger chemische Spritzmittel verwendet werden. Andererseits ist hier der Energieverbrauch für Beheizung und Beleuchtung sehr hoch und im Verhältnis sogar höher als der Energieverbrauch auf Grund der langen Transportwege aus Spanien. Der Erdölbedarf ist bei der Züchtung von Freilandtomaten etwa halb so hoch wie bei der Produktion im Gewächshaus. Im Hinblick auf Ökologie und Geschmack wäre es sinnvoll, Tomaten nur aus der Region und während der Saison zu kaufen.

Der Grund, warum Tomaten im Winter oft geschmacklos sind, liegt darin, dass bei der Züchtung auf gutes Aussehen, Robustheit und lange Haltbarkeit Wert gelegt wird,
damit sie Lagerung und lange Transportwege gut überstehen. Dabei gehen andere Eigenschaften wie der Geschmack leider oft verloren. Außerdem werden sie oft unreif geerntet und reifen am Transport nach.

Eine Gute Tomate erkennt man nicht am Geruch!
Vom Geruch sollte man sich nicht täuschen lassen, er kommt vom Stängel, nicht von der Frucht. Die Stängel sind mit Drüsenhaaren besetzt, die den typischen Geruch verströmen.

Es gibt über 3000 Sorten und mindestens ebenso viele Züchtungen, die nicht angemeldet wurden, und ständig kommen neue dazu. Manche sprechen sogar von über 10.000 Sorten. Sie sind in Farbe und Form extrem vielfältig und haben klingende Namen wie z.B. Beauty King, Dattelwein, Ewige Liebe, Himmelsglück, Ochsenherz, Schneewittchen, Tigerella, Traube des Winters und Zwergbirnchen.

Tomaten sind sogenannte „Vibrationsbestäuber“. Bis in die 1980er Jahre wurde in den Gewächshäusern eine sehr arbeitsintensive manuelle Bestäubung mit elektrischen Bestäubungsgeräten angewendet. Heutzutage ist die Bestäubung durch Hummeln üblich, vor allem dunkle Erdhummeln werden für diesen Zweck gezüchtet.

Tomaten sollten bei ca. 13-18 Grad Celsius gelagert werden, möglichst getrennt von anderem Obst und Gemüse, da sie Ethen ausscheiden, wodurch dieses schneller reift bzw. verdirbt. (Diese Eigenschaft kann genutzt werden, um harte Avocados schneller reifen zu lassen.)
Am besten lagern sie offen auf einer Schale auf weichem Untergrund (z.B. Küchenpapier), damit keine Druckstellen entstehen. Ungünstig ist die Aufbewahrung in Plastikbeuteln und im Kühlschrank.

Externe Tomaten-Beiträge

Der österreichische Landwirt Erich Stekovics, der sogenannte Paradeiser-Kaiser, verkauft über 500 Tomatensorten, vor allem auch alte Sorten. Im Mai können die Jungpflanzen erworben werden.
Neben Tomaten, Chili, Zwiebeln und Knoblauch sowie eingelegtem Gemüse bietet er auch Führungen und Workshops auf seiner burgenländischen Landwirtschaft an.
Weiters hat er einige Bücher veröffentlicht, beispielsweise den
Atlas der erlesenen Paradeiser
und was man alles mit ihnen anstellen kann.
Löwenzahn-Verlag 2011, 266 S., Großformat
Nähere Informationen finden Sie auf: stekovics.at

Unter dem Motto „Verwenden statt Verschwenden“ erzählt Franco Aliberti, was aus Tomaten hergestellt werden kann:

„Nehmen wir ein typisch italienisches Gericht: Spaghetti mit Tomatensoße. Normalerweise braucht man 50 Tomaten, um 200 Gramm Soße herzustellen. Bei uns geht von den 50 Tomaten nichts verloren: Mit dem Wasser, das in den Tomaten enthalten ist, kochen wir die Spaghetti. Die Haut der Tomaten legen wir in Öl ein – daraus wird dann ein aromatisches Tomatenöl. Aus der Haut kann man in der Mikrowelle aber auch Chips herstellen. Die Tomatenkerne mischen wir mit Zucker und machen daraus eine Verzierung für Süßspeisen. Wir schmeißen nicht einmal die Blätter weg: Aus ihnen wird ein Tomatenlikör.“

aus: onde.de

Tomaten können am Balkon oder im Garten leicht selbst angebaut werden. Die beste Zeit für die Aussaat ist der März. Das Saatgut kann in Eierkartons an einem warmen, sonnigen Platz, zum Beispiel am Fensterbrett, keimen. Ab Mitte Mai können die Pflanzen ins Freie übersiedeln. Erntezeit ist August. Die Tomate ist an sich eine mehrjährige Pflanze, wird aber meist einjährig kultiviert . Mit den Samen der Pflanzen, die aus Hybrid-Saatgut (F1) entstehen, kann nicht weiter gezüchtet werden.

Eine genaue Anleitung, wie man Tomaten selbst züchten kann und was zu beachten ist, gibt Moritz Metz in der Sendung Netzbasteln im Deutschlandfunk (auch als Audiodatei downloadbar): deutschlandfunknova.de

Quellennachweis

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