Sprücheküche: Ursprung und Bedeutung von Redewendungen – Kramschublade

In unserer Sprücheküche haben wir Ursprung und Bedeutung von Redewendungen zusammengetragen. Natürlich haben alle Sprüche etwas mit Essen und Trinken zu tun.
Dieser Beitrag wird im wöchentlichen Wechsel mit den Küchenzitaten um ein geflügeltes Wort erweitert. Wenn Sie keinen Spruch verpassen möchten: in unserem wöchentlichen Newsletter kommt er direkt in Ihr Postfach.

Vom Trinken und über Trinker

Auf ex trinken

Die Redewendung „auf ex trinken“ (ein meist alkoholisches Getränk in einem Schluck austrinken) bezieht sich auf das Trinkverhalten von Echsen. Sie trinken, ohne zu schlucken, um in kurzer Zeit viel Flüssigkeit aufzunehmen.

Schluckspecht

Das Wort Schluckspecht (jemand, der gern Alkohol trinkt) bezieht sich auf Spechte, die Saft aus der Baumrinde trinken.

Schnapsdrossel

Schnapsdrossel (Schnapstrinker oder Alkoholiker): das Wort „Drossel“ bezieht sich nicht auf den Vogel, sondern ist eine alte Bezeichnung für die Kehle.

Nicht lang schnacken Kopp in Nacken

Umgangssprachlich in Norddeutschland; Aufforderung mit dem Reden aufzuhören und sein alkoholisches Getränk in einem Zug auszutrinken.
schnacken (norddeutsch) = reden, plaudern, sich zwanglos unterhalten

Treulose Tomate

jemand, der unzuverlässig oder wortbrüchig ist
Eine Erklärung besagt, dass der Tomatenanbau im 19. Jahrhundert durch viele Fehlschläge gekennzeichnet und daher eine unsichere Sache war. Wahrscheinlicher ist aber die Theorie, dass der Ursprung auf den 1. Weltkrieg zurückgeht: Der Staat Italien, zunächst mit Deutschland verbündet, hielt sich aus den kriegerischen Auseinandersetzungen heraus und erklärte sich 1915 für die Gegenpartei und so galten die Italiener als wortbrüchig und unzuverlässig. Da der Tomatenanbau in Italien weit verbreitet war, setzte man möglicherweise die treuebrüchigen, Tomaten essenden Italiener mit den so unzuverlässigen, weil noch nicht ohne Rückschläge kultivierbaren, Tomaten gleich. Die Italiener wurden damals auch "Treubruchnudeln" genannt.

Pfeffersack

Der Ausdruck Pfeffersack wurde insbesondere ab dem 16. Jahrhundert allgemein als verächtliche Bezeichnung für einen reichen Kaufmann oder Großhändler gebraucht. Er entstand, weil einige ihren Wohlstand durch den Handel mit Gewürzen (allgemein als Pfeffer bezeichnet) erworben hatten. Er wird allgemein für rücksichtslose Menschen, die nur an Macht und Geld interessiert sind, verwendet, und im speziellen für die Hamburger Oberschicht.

Etwas bierernst nehmen

humorlos sein, etwas zu ernst nehmen
Die Herkunft dieses Ausdrucks ist nicht eindeutig geklärt. im Lexikon der deutschen Umgangssprache (1982) vermutet der deutsche Sprachwissenschafter Heinz Küpper (1909-1999), das es auf die Annahme zurück geht, dass der Genuss des Weins beschwingt und fröhlich mache, dass Bier hingegen den Trinker gedankenschwer und ernst stimme.

Den Braten riechen

Eine Gefahr wittern, eine Falle erkennen
Dieser Spruch geht auf eine Fabel zurück, in der ein Bauer ein Tier zum Essen einlädt, das aber an der Schwelle kehrt macht, weil er aus der Küche den Duft eines gebratenen Kompagnons in die Nase bekommt.

Die Kastanien aus dem Feuer holen

Einem anderen die unangenehmen Dinge abnehmen
Nach einer Fabel von Jean de La Fontaine, in der ein Affe einen Kater bat, für ihn die gerösteten Esskastanien aus dem Feuer zu holen.

Tomaten auf den Augen haben

etwas nicht sehen, nicht bemerken
Der Spruch kommt daher, dass die Augen von müden oder verschlafenen Menschen rot aussehen, also in der Farbe von Tomaten.

Alles in Butter

alles in Ordnung
Im Mittelalter gab es eine Methode, Porzellan oder teure Gläser beim Transport in Kutschen auf holprigen Wegen vor Bruch zu schützen: sie wurden in große Fässer gelegt und diese mit heißer, flüssiger Butter ausgegossen. Wenn die Butter fest war, waren die kostbaren Güter bruchsicher.

Da ist Hopfen und Malz verloren

Jemandem ist nicht zu helfen; da kann man nichts mehr tun
Hopfen und Malz waren schon im Mittelalter Grundprodukte für die bierproduktion. War das Ergebnis nicht brauchbar, z.B. durch fehlgeschlagenen Gärungsprozess, waren auch die Grundzutaten verloren.

Den Löffel abgeben

sterben
Im Mittelalter wurden viele Speisen mit dem Löffel gegessen. Im Todesfall bekam der Erbe den Löffel.

Essen wie ein Scheunendrescher

viel bzw. gierig und hastig essen
Die Redensart stammt aus einer Zeit, als die Getreideernte händisch durchgeführt wurde und Arbeiter auf das Getreide eindroschen, um die Körner aus dem Getreide zu schlagen. Die anstrengende Tätigkeit machte hungrig und die Arbeiter aßen viel.

Spreu vom Weizen trennen

Unerwünschtes vom Erwünschten trennen, Schlechtes aussortieren
Spreu, auch Kaff genannt, sind die beim Dreschen von Getreide abfallenden Spelzen und Hülsen, Grannen, Samenhüllen und Stängelteile. Nach dem Dreschen wird Weizen vom Spreu gesäubert.

Es zieht wie Hechtsuppe

Es herrscht starker Luftzug, z.B. durch geöffnete Fenster
kommt vermutlich aus dem Jiddischen: „hech supha“=starker Wind. Ein anderer Erklärungsversuch meint, dass Fisch lange köcheln („ziehen“) muss, bis die Suppe seinen Geschmack annimmt.

Butter bei die Fische

Klartext reden, die Wahrheit sagen, keine halben Sachen machen
Früher war es üblich, gebratenen oder gebackenen Fisch mit einem Stück Butter zu servieren. Damit die Butter nicht schmolz, musste das Essen dann sofort beginnen.

Jemandem eine Extrawurst braten

jemanden bevorzugen, eine Sonderbehandlung gewähren
Die Redensart kommt vermutlich daher, dass Wurst im Mittelalter eine besondere Delikatesse für arme Leute war und das Braten einer Extra-Wurst ein besonderes Privileg.

Geh dorthin, wo der Pfeffer wächst

Geh weg, ich will dich nicht mehr sehen, lass mich in Ruhe
Dieser Spruch stammt aus einer Zeit, als die Pfefferanbaugebite (Indien, Indonesien, Malaysia) fast unerreichbar schienen und die Reise dorthin sehr beschwerlich und langwierig war.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.