Sprücheküche:Zitate und Redewendungen – Kramschublade

Die Sprücheküche ist eine Sammlung von Gedanken zum Thema Essen und Trinken berühmter und weniger bekannter Persönlichkeiten sowie Ursprung und Bedeutung von Redewendungen.
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Sein Fett abkriegen

Opfer von Spott oder Hohn werden, bestraft werden
Bei Hausschlachtungen wurden die Teile des Tieres oft sehr ungleich unter den Familienmitgliedern verteilt. Wer nur fetthaltige Stücke abbekam, hatte es schlecht getroffen.

Oscar Wilde

"Wenn ich erregt bin, gibt es nur ein Mittel, mich völlig zu beruhigen: Essen."

Olle Kamellen

langweilige, alt bekannte Informationen / Geschichten / Anekdoten
Kamelle ist die niederdeutsche Bezeichnung für Kamille. Die Kamillenblüten sind für ihre heilende Wirkung bekannt. Sie verlieren jedoch ihre Heilkraft, wenn sie zu lange gelagert werden. Dann sind die Kamellen "oll" und somit völlig nutzlos.
"Olle Kamellen" sagt man heutzutage, wenn man alte, schon bekannte Informationen bekommen hat.

Da brat mir (aber) einer einen Storch!

Ausruf der Überraschung, Verärgerung oder Verwunderung
Nach einer biblischen Speisevorschrift darf der Storch (ebenso wie Fledermaus oder Reiher) nicht gegessen werden. Zudem stieg der Storch im Mittelalter zur abergläubischen Verehrung auf und sein Fleisch, so hieß es, sei ungenießbar und wurde scherzhaft als "Leckerbissen" bezeichnet.
Somit steht der gebratene Storch für das Sinnbild des nie Gesehenen.

Voltaire

"Ich habe gefunden, dass Menschen mit Geist und Witz auch immer eine feine Zunge besitzen; jene aber mit stumpfem Gaumen beides entbehren. "

Seinen Senf dazu geben

ungefragt seine Meinung äußern
Früher war Senf sehr wertvoll und Speisen mit Senf galten als etwas Besonderes. Deshalb gaben manche Wirte ungefragt etwas Senf zu allen Speisen, auch wenn er nicht dazu passte.

Friedrich Hebbel

"Es gibt Leute, die nur aus dem Grund in jeder Suppe ein Haar finden, weil sie davor sitzen und so lange den Kopf schütteln, bis eines hinein fällt. "

Vom Trinken und über Trinker

Auf ex trinken

Die Redewendung „auf ex trinken“ (ein meist alkoholisches Getränk in einem Schluck austrinken) bezieht sich auf das Trinkverhalten von Echsen. Sie trinken, ohne zu schlucken, um in kurzer Zeit viel Flüssigkeit aufzunehmen.

Schluckspecht

Das Wort Schluckspecht (jemand, der gern Alkohol trinkt) bezieht sich auf Spechte, die Saft aus der Baumrinde trinken.

Schnapsdrossel

Schnapsdrossel (Schnapstrinker oder Alkoholiker): das Wort „Drossel“ bezieht sich nicht auf den Vogel, sondern ist eine alte Bezeichnung für die Kehle.

Nicht lang schnacken Kopp in Nacken

Umgangssprachlich in Norddeutschland; Aufforderung mit dem Reden aufzuhören und sein alkoholisches Getränk in einem Zug auszutrinken.
schnacken (norddeutsch) = reden, plaudern, sich zwanglos unterhalten

Christian Dior

"Essen ist eine höchst ungerechte Sache: Jeder Bissen bleibt höchstens zwei Minuten im Mund, zwei Stunden im Magen, aber drei Monate an den Hüften."

Treulose Tomate

jemand, der unzuverlässig oder wortbrüchig ist
Eine Erklärung besagt, dass der Tomatenanbau im 19. Jahrhundert durch viele Fehlschläge gekennzeichnet und daher eine unsichere Sache war. Wahrscheinlicher ist aber die Theorie, dass der Ursprung auf den 1. Weltkrieg zurückgeht: Der Staat Italien, zunächst mit Deutschland verbündet, hielt sich aus den kriegerischen Auseinandersetzungen heraus und erklärte sich 1915 für die Gegenpartei und so galten die Italiener als wortbrüchig und unzuverlässig. Da der Tomatenanbau in Italien weit verbreitet war, setzte man möglicherweise die treuebrüchigen, Tomaten essenden Italiener mit den so unzuverlässigen, weil noch nicht ohne Rückschläge kultivierbaren, Tomaten gleich. Die Italiener wurden damals auch "Treubruchnudeln" genannt.

Sir Winston Churchill

"Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen."

Pfeffersack

Der Ausdruck Pfeffersack wurde insbesondere ab dem 16. Jahrhundert allgemein als verächtliche Bezeichnung für einen reichen Kaufmann oder Großhändler gebraucht. Er entstand, weil einige ihren Wohlstand durch den Handel mit Gewürzen (allgemein als Pfeffer bezeichnet) erworben hatten. Er wird allgemein für rücksichtslose Menschen, die nur an Macht und Geld interessiert sind, verwendet, und im speziellen für die Hamburger Oberschicht.

Jean Anthèlme Brillat-Savarin, französischer Philosoph

"Die Entdeckung einer neuen Speise fördert das Glück der Menschheit mehr als die Entdeckung eines neuen Sterns. "

Etwas bierernst nehmen

humorlos sein, etwas zu ernst nehmen
Die Herkunft dieses Ausdrucks ist nicht eindeutig geklärt. im Lexikon der deutschen Umgangssprache (1982) vermutet der deutsche Sprachwissenschafter Heinz Küpper (1909-1999), das es auf die Annahme zurück geht, dass der Genuss des Weins beschwingt und fröhlich mache, dass Bier hingegen den Trinker gedankenschwer und ernst stimme.

Oscar Wilde

"Mit dem guten Geschmack ist es ganz einfach. Man nehme von allem nur das Beste."

Den Braten riechen

Eine Gefahr wittern, eine Falle erkennen
Dieser Spruch geht auf eine Fabel zurück, in der ein Bauer ein Tier zum Essen einlädt, das aber an der Schwelle kehrt macht, weil er aus der Küche den Duft eines gebratenen Kompagnons in die Nase bekommt.

Paul Bocuse

"Wenn ein Architekt einen Fehler macht, lässt er Efeu darüber wachsen. Wenn ein Arzt einen Fehler macht, lässt er Erde darauf schütten. Und wenn ein Koch einen Fehler macht, gießt er ein wenig Sauce darüber und sagt, dies sei ein neues Rezept."

Die Kastanien aus dem Feuer holen

Einem anderen die unangenehmen Dinge abnehmen
Nach einer Fabel von Jean de La Fontaine, in der ein Affe einen Kater bat, für ihn die gerösteten Esskastanien aus dem Feuer zu holen.

Giovanni Boccaccio

"Es ist besser, zu genießen und zu bereuen, als zu bereuen, dass man nicht genossen hat."

Tomaten auf den Augen haben

etwas nicht sehen, nicht bemerken
Der Spruch kommt daher, dass die Augen von müden oder verschlafenen Menschen rot aussehen, also in der Farbe von Tomaten.

Alles in Butter

alles in Ordnung
Im Mittelalter gab es eine Methode, Porzellan oder teure Gläser beim Transport in Kutschen auf holprigen Wegen vor Bruch zu schützen: sie wurden in große Fässer gelegt und diese mit heißer, flüssiger Butter ausgegossen. Wenn die Butter fest war, waren die kostbaren Güter bruchsicher.

Da ist Hopfen und Malz verloren

Jemandem ist nicht zu helfen; da kann man nichts mehr tun
Hopfen und Malz waren schon im Mittelalter Grundprodukte für die bierproduktion. War das Ergebnis nicht brauchbar, z.B. durch fehlgeschlagenen Gärungsprozess, waren auch die Grundzutaten verloren.

Den Löffel abgeben

sterben
Im Mittelalter wurden viele Speisen mit dem Löffel gegessen. Im Todesfall bekam der Erbe den Löffel.

Essen wie ein Scheunendrescher

viel bzw. gierig und hastig essen
Die Redensart stammt aus einer Zeit, als die Getreideernte händisch durchgeführt wurde und Arbeiter auf das Getreide eindroschen, um die Körner aus dem Getreide zu schlagen. Die anstrengende Tätigkeit machte hungrig und die Arbeiter aßen viel.

Spreu vom Weizen trennen

Unerwünschtes vom Erwünschten trennen, Schlechtes aussortieren
Spreu, auch Kaff genannt, sind die beim Dreschen von Getreide abfallenden Spelzen und Hülsen, Grannen, Samenhüllen und Stängelteile. Nach dem Dreschen wird Weizen vom Spreu gesäubert.

Es zieht wie Hechtsuppe

Es herrscht starker Luftzug, z.B. durch geöffnete Fenster
kommt vermutlich aus dem Jiddischen: „hech supha“=starker Wind. Ein anderer Erklärungsversuch meint, dass Fisch lange köcheln („ziehen“) muss, bis die Suppe seinen Geschmack annimmt.

Butter bei die Fische

Klartext reden, die Wahrheit sagen, keine halben Sachen machen
Früher war es üblich, gebratenen oder gebackenen Fisch mit einem Stück Butter zu servieren. Damit die Butter nicht schmolz, musste das Essen dann sofort beginnen.

Jemandem eine Extrawurst braten

jemanden bevorzugen, eine Sonderbehandlung gewähren
Die Redensart kommt vermutlich daher, dass Wurst im Mittelalter eine besondere Delikatesse für arme Leute war und das Braten einer Extra-Wurst ein besonderes Privileg.

Geh dorthin, wo der Pfeffer wächst

Geh weg, ich will dich nicht mehr sehen, lass mich in Ruhe
Dieser Spruch stammt aus einer Zeit, als die Pfefferanbaugebite (Indien, Indonesien, Malaysia) fast unerreichbar schienen und die Reise dorthin sehr beschwerlich und langwierig war.

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