München – Jagd auf Schokolade – Kulinarische Welt – Reisebericht

Auch im Oktober 2019 verbrachten wir wieder einmal eine Woche in München. Im Gegensatz zu unserem Aufenthalt im Juli hatten wir diesmal keine sehende Begleitung, nur für zwei Tage hatten wir eine Assistentin über eine Online-Assistenzbörse organisiert. Wir haben uns aber sehr gut durchgeschlagen, einerseits mit Hilfe der Navigations-App „Blind Square“, andererseits mit Unterstützung von PassantInnen.
Da wir in den letzten Jahren immer wieder einmal für einige Tage in München waren und immer im Hotel Ambiente in Bahnhofsnähe wohnen, kennen wir uns in dieser Gegend auch schon etwas aus.
Diesmal stand der Urlaub unter dem Motto Schokolade. Wir machten uns auf die Suche nach fair oder direkt gehandelten Schokolade- und Kakaoprodukten, möglichst aus biologischem Anbau. Es kommt aber unserer Meinung nach nicht unbedingt auf eine Fair-Trade- oder Bio-Zertifizierung an. Es gibt zunehmend Firmen, die die Kakaobohnen direkt importieren, mehr als den üblichen Preis bezahlen, soziale Initiativen unterstützen und den ökologischen Anbau fördern, aber auf teure Zertifikate verzichten.
fairafric auf der Minga (München 2019)Bildquelle © fairafric GmbH

Made in Minga

Ich hatte von der Messe „Made in Minga – die Messe zum Probieren, Kennenlernen und Genießen“ gelesen, auf der regionale Produkte aus dem Raum München präsentiert werden.
Übrigens gibt es diese Messe auch in Berlin, Köln, Hamburg, Frankfurt und Stuttgart.
Unter den Ausstellern waren auch einige Produzenten von Kakao und Schokolade:

Beim Stand von „Chocolate & more“ konnten wir eine rohe, unfermentierte Kakaobohne verkosten, an der noch frisches Fruchtfleisch haftete. Es fühlt sich im Mund etwas glitschig an, schmeckt nicht nach Kakao und ich müsste nochmals probieren, um etwas über den Geschmack sagen zu können. Auf jeden Fall freute ich mich über die Gelegenheit, einmal eine frische Kakaobohne zu essen, da es gar nicht so einfach ist, eine frische Kakaofrucht zu bekommen.
Auf der Messe begleitete uns die Assistentin, was sehr hilfreich war. Alleine hätten wir uns im Gedränge nicht zurechtgefunden. So konnten wir viel probieren, neben den Süßigkeiten auch Gewürzöle und Salze; die Stände mit Mode, Schmuck und anderem ließen wir links liegen.
Den zweiten Tag mit Assistenz nutzten wir, um gezielt einige Geschäfte, die ich im Internet gefunden hatte, abzuklappern. Wir erkundeten das Sortiment in Bio-Läden (Denns, Biokultur am Hauptbahnhof und Vitalis), waren aber auch in kleinen Geschäften wie zum Beispiel Sallis Kitchen und Die Schokoladengalerie.
Einen Zwischenstopp legten wir in einem isländischen Cafe ein:
das Cafe Bla (NORDIC COFFEE CULTURE) wird von Stephanie Bjarnason betrieben, die französische und isländische Wurzeln besitzt, wie sie im Podcast erzählt.
Wir kauften auch Schokolade von der isländischen Firma Omnom, haben sie aber noch nicht verkostet.

Vegane Abstecher

Bevor wir mit der Assistentin noch den Hauptbahnhof mit seinen Zugängen zu U- und S-Bahn erforschten (um fürs nächste Mal gut gerüstet zu sein), stärkten wir uns bei Max Pett, einem veganen Restaurant in der Pettenkoferstraße.
Obwohl wir uns beide nicht vegan ernähren(ich bin Vegetarierin, Andreas ißt auch sehr gern Fleisch), waren wir noch in einem weiterem veganen Restaurant, dem Bodhi. Es war in der Nähe der "Schokoalm", wo wir am Tag davor waren und es wurde uns von der Navigationsapp als Lokal in der Nähe angezeigt. Ich wollte unbedingt die vegane Käseplatte probieren, weil ich bisher mit veganem Käse nur schlechte Erfahrungen gemacht habe. Die Platte war sehr nett angerichtet, mit Obst, Oliven und Nüssen, und die Käse selbst – nach Art von Obazda, Feta & Parmesan – waren „interessant“. Geschmacklich waren sie die besten, die ich bis jetzt gegessen habe, aber doch nicht wirklich mit Käse vergleichbar. Von der Konsistenz her fand ich sie überraschend ähnlich den entsprechenden Käsesorten. Andreas war von seinem Gyros –
Sojaschnetzel | Zwiebeln | Pommes | Salatbeilage um 14 Euro begeistert. Er meint, man würde keinen Unterschied zu Fleisch bemerken. Auch die Nachspeise, Mousse au Chocolat, war sehr lecker. Wir fanden das Lokal sehr nett, aber sehr laut, da sehr gut besucht.
Aller guten Dinge sind drei: wir besuchten, wie beim letzten Mal, wieder das Restaurant Vegelangelo – Der Genussvegetarier, wo vegetarisch, auf Wunsch vegan, gekocht wird.
Es schmeckte uns wieder ausgesprochen gut, und uns gefällt die Atmosphäre in dem kleinen, ruhigen Lokal.
Ich hatte indisches Thali (Soja-Tandoori, Daal, Marsala-Spinat, Kokos-Curry, Kardamom-Reis, Papad Fladenbrot), Andreas – zufälligerweise ebenfalls vegan – Kartoffelpuffer, Auberginencreme, Spinat, Tofu.

Besuch in Ottobrunn

Ein Highlight des Urlaubs war ein Treffen mit Andreas Mohrs, demInhaber von CHOCION – Finest Chocolate. Wir hatten ein Interview mit ihm im Podcast von Bayern 1 gehört und Andreas hatte ihn wegen näherer Informationen angeschrieben, woraufhin er uns in sein Geschäft in Ottobrunn, am Rande von München, einlud. Herr Mohrs, der hauptberuflich als Pilot tätig ist und nebenbei zwei Schokoladeläden betreibt, ist sehr sympathisch und sein soziales Engagement beeindruckend. Über den Besuch bei CHOCION schreibt Andreas einen eigenen Artikel.

Verschiedene Schokoladen, Trinkschokoladen und Kakaopulver, die wir von unserem letzten Münchenbesuch mitgebracht haben, auf einem TischBildquelle © Blinde Tomate

Schokostreifzug durch München

An den übrigen Tagen waren wir auf eigene Faust in München unterwegs und haben auch einige interessante Geschäfte gefunden.

Das Cafe Beluga am Viktualienmarkt ist bekannt für seine große Auswahl an unterschiedlichen Trinkschokoladen. Wir konnten bei schönem Wetter im Freien sitzen und eine Praline zum Kaffee genießen. Beluga verfügt auch über ein Verkaufslokal im Untergeschoß am Marienplatz.
Bei der Schokoalm aßen wir besonders guten Lebkuchen und nahmen Schokolade aus Schweden mit nach Hause, die wir aber auch noch nicht probiert haben.
Die Pralinenschule Kerstin Spehr in der Nähe vom Rotkreuzplatz veranstaltet regelmäßig Kurse zum Erlernen der Pralinenherstellung und verkauft auch das entsprechende Werkzeug und Zubehör. Wir probierten eine der sehr guten, handgefertigten Pralinen. Die Auswahl war unglaublich groß.

Ungewöhnliches bei S- und U-Bahn

Bei der Münchner S- und U-Bahn haben wir zwei Dinge kennen gelernt, die uns neu waren.
Die sogenannte „spanische Lösung“: der Zug kann am „Zwillingsbahnsteig“ sowohl links als aus rechts betreten werden, die Fahrgäste werden aber gebeten, nur auf einer Seite ein- und auf der anderen Seite auszusteigen, um die Aufenthaltsdauer zu verkürzen. Dieses System wurde in den 1930er Jahren in der Metro Barcelona angewendet, daher der Name, zuvor aber schon in London und New York.
Rolltreppen, die die Fahrtrichtung wechseln: die Rolltreppe bleibt stehen, wenn sich niemand auf ihr befindet und setzt sich in Bewegung, wenn sie jemand betritt, und zwar in die jeweils benötigte Richtung.

Wir sind mit sehr viel Schokolade im Gepäck heimgereist und werden in den Nächsten Wochen eine nach der anderen verkosten. Auf jeden Fall waren wir sehr positiv von dem reichhaltigen und vielfältigen Angebot überrascht.

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