London – Kulinarische Welt – Reisebericht

Unser Domizil in London wardas Motel One auf dem Tower Hill, der zwischen den Stadtteilen City of London und London Borough of Tower Hamlets liegt. Nicht weit von unserem Hotel fanden wir nach unserer Ankunft, was wir suchten: ein Pub, um unseren Hunger zu stillen.
Wir betraten das Three Tuns und die Lautstärke der Gäste war enorm. Wir wollten schon umdrehen, aber unsere sehende Begleiterin schlug vor, in den ersten Stock zu gehen. Das war eine gute Entscheidung, denn dort war es angenehm ruhig. Die Lautstärke in Londoner Pubs ist etwas, woran man sich gewöhnen muss. Denn wirklich ruhig ist es nirgendwo.
Meine Absicht war, als erstes Fish ’n’ Chips in London zu essen, was ich jedoch Angesichts der Speisekarte gleich wieder verwarf.
Denn da stand drauf:
steak and ale pie – das hörte sich richtig gut an. Ich wußte nicht, dass in diesem Fall das Steak nicht das ist, was ich darunter verstehe. Es war eine Art Gulasch in dunkler Biersoße mit Blätterteig überbacken. Dazu gab es Pommes – Entschuldigung, meine natürlich Chips. Geschmacklich kann ich die Pie mit einem Wort zusammenfassen: großartig.
Es wird viel über die englische Küche berichtet – und meist negativ. Die englische Küche sei langweilig, fettig, und über allemschwebt Essig und eine grauenhafte Minzsoße. Als Gemüsebeilage hatte ich sie dann, die schon von Obelix in „Asterix bei den Briten“ gefürchtete Minzsoße, die mit den Erbsen vermischt war. Schon nach dem ersten Bissen war es amtlich: Erbsen mit Minhzsoße wird es auch bald bei uns Zuhause geben. Es war dann auch leider das erste und letzte Mal, dass etwas mit Minzsoße serviert wurde.
Getrunken habe ich ein London Pale Ale. Auf das Thema Bier komme ich später zurück.
Claudia hatte eine vegetarische Pie Namens Heidi. Ich will es nicht beschwören, aber ich glaube, dass der Name des Gerichts vom Kinderbuch Heidi abgeleitet wurde. Die Pie bestand aus Ziegenkäse, Süßkartoffeln, Spinat und roten Zwiebeln.

Claudia und Andreas auf der London Bridge bei Nacht, im Hintergrund die Themse und die Tower BridgeBildquelle ©: Blinde Tomate

Nach dem Essen spazierten wir durch die City of London. Wir kamen am Tower vorbei, wo bisheute die Kronjuwelen aufbewahrt werden und wo früher Adelige, die sich etwas zu Schulden kommen ließen, enthauptet wurden.
Wir spazierten über die Tower Bridge und landeten am späten Abend wieder auf dem Tower Hill, auf dem früher die Nicht-Adeligen hingerichtet wurden. Wie passend war es da, in einen Pub einzukehren mit dem Namen:
"Hang, Drawn and Quartered" – "Hängen, Ausweiden und Vierteilen"
Ein lauter, gemütlicher Pub, in dem wir uns die folgenden Ales geteilt haben: Oliver’s Island, Seafarers und ein Hop’s Head.
Das waren an diesem Abend vier Biere, alle obergärig. Da ich ein Pils-Trinker bin, haben diese Biere keine Begeisterungsstürme bei mir ausgelöst. Alle hatten etwas gemeinsam, einen mehr oder weniger starken Fruchtgeschmack. Ich möchte aber ausdrücklich betonen, dass ich Pils-konditioniert bin, die Biere aber anderen Menschen sehr gut schmecken – sonst würden sie nicht gebraut 🍻.
Gerne hätte ich noch das eine oder andere Bier aus den restlichen 17 Zapfhähnen probiert, aber leider wird man auch von Bier betrunken und um das zu verhindern, habe ich es bei den vier Bieren belassen. Denn ich habe große Biere bestellt.
Ein großes Bier ist mehr als ein halber Liter und heißt in Großbritannien Pint (568,3 ml). Eichstriche gibt es auf britischen Gläsern nicht. Die Menge eines Pint ist erreicht, wenn das Glas randvoll ist. Mit zitternden Händenwird es also schwierig, das Glas zum Tisch zu bringen.
Wer nun denkt, die Kellner müssen eine ruhige Hand zum Servieren haben, denkt im Grunde genommen richtig, allerdings werden in einem britischen Pub die Getränke nicht zum Tisch gebracht. Man muss sein Bier sowie alle anderen Getränke an der Theke holen und gleich bezahlen. Bestellt man etwas zu Essen, muss man nicht in die Küche gehen, um es zu holen – das wird serviert.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Hop on-hop off-Sightseeing Bus bis zur Victoria Station . wir fanden ein für London ungewöhnlich kleines nettes Café, das Black Cheep und aßen dort ein Schoko-Browni. Danach statteten wir dem ehemaligem königlichen Hoflieferanten Harrods in der Brompton Road im Bezirk Royal Borough of Kensington and Chelsea einen Besuch ab. Die Lebensmittelabteilung ist ein Paradies, mit gigantischen Ausmaßen und leider auch verdammt teuer. Natürlich kauften wir einige leckere Produkte wie Pistazien in Schokolade und in Essig eingelegte Walnüsse,wobei das Ungewöhnlichste die Onion Marmalade war, die mit € 5,28 für ein 220 Gramm Glas recht erschwinglich war.
Anschließend spazierten wir durch den Hyde Park zur nächsten Bus-Station und fuhren entlang der Oxford Street, wo große Kaufhäuser beheimatet sind, zum Piccadilly Circus. Per Pedes ging es dann durch Chinatown und Covent Garden, immer Ausschau haltend nach einem Restaurant, das noch freie Plätze hat. Das stellte sich als schwieriger heraus als gedacht. Es gibt zwar Unmengen an Pubs und Restaurants, aber alles voll. Die Gäste standen in teilweise sehr langen Schlangen vor den Restaurants und warteten auf einen freien Platz. Wir kamen bei einem Indischen Lokal vorbei und hatten Glück. Wir warteten etwa zehn Minuten auf einen freien Tisch. Claudia hat Kürbis-Curry gegessen und ich Chicken-Curry mit Zwiebel-Naanbrot – es hat uns ausgezeichnet gut geschmeckt. Nach dem Essen fragte der Kellner, ob wir noch eine Nachspeise wollten, wir verneinten und dann wußten wir, warum Gäste in langen schlangen vor den Restaurants standen und warteten. In der City of London ist es üblich, nach dem Essen das Lokal zu verlassen. Trinken geht man dann noch in eine der vielen Bars oder Pubs. Ob es in ganz Großbritannien so geregelt ist, weiß ich nicht.
Wir spazierten an diesem Abend noch etwas durch Covent Garden. Praktisch an jeder Ecke spielen dort Straßenmusiker, Puppenspieler, Jongleure und Zauberer – alles auf sehr hohem Niveau. Vor dem Whittard Geschäft wurde uns eine Getränkeprobe angeboten. Ein nach Kakao und Vanille schmeckendes heißes Milchgetränk Namens Sticky Toffee Pudding. Es wird als Pulver verkauft und auf drei Teelöffel kommen 250 ml heiße Milch. Es schmeckt richtig gut und hat den Weg nach Wien gefunden. Leider habe ich nur eine Dose gekauft – wird nicht lange reichen.

Am Sonntag machten wir uns auf den Weg zur Themse und fuhren mit einem Schiff nach Greenwich. Dort besuchten wir einen überdachten Markt. Neben Kleidung und Schmuck wurde eine Menge zu essen angeboten. Leider ist es mit dem Essen so wie mit dem Bier trinken – es geht nicht unbegrenzt. Ich wollte endlich Fish ’n’ Chips essen und verzichtete darauf, mich auf dem Markt durchzufuttern.

Fish and ChipsBildquelle: © Wikipedia

Neben dem Markt gab es einen kleinen netten Pub und ich bestellte mir eine Portion Fish ’n’ Chips . Angeboten wurde Scholle und Kabeljau. Ich entschied mich für letzteres und es war eine gute Wahl. Die Chips wurden ohne Essig serviert, eine Flasche stand jedoch auf dem Tisch für die Selbstversorgung. Es war ein Malzessig und ich probierte natürlich, wie Pommes mit Essig schmecken. Die ersten paar Pommes schmecken etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich darauf einläßt und sich rein ißt, schmeckt es dann richtig gut.

Blick in die Brick LaneBildquelle: © Wikipedia

Zurück sind wir dann unter der Themse durch einen Fußgängertunnel gegangen und machten uns auf den Weg nach Brick Lane. Neben zahlreichen Geschäften und Restaurants gibt es dort einen großen Food-Market mit Ständen aus aller Welt, wie beispielsweise Korea, Indien, Litauen, Venezuela und Italien. Überall konnte man probieren und das taten wir auch ausgiebig. Ich bekam eine kleine Portion von einem Rinder-Saté-Spieß zum Probieren, der mich geschmacklich so begeisterte, dass ich mir eine Portion bestellte – leider war kein Rezept dabei.
Abends besuchten wir den Pub Hops and Grapes.
Claudia bestellte ein Puy Linsen Pie, mit Süßkartoffeln und Karotten, als Beilage gab es Gemüse und Mashed Peas. Appetitlich hört sich Mashed Peas nicht gerade an, Wer will schon Vermatschtes essen? Geschmeckt hat es Claudia dennoch, denn die Erbsen werden in mit Butter gedünsteten Zwiebeln und Sahne gekocht und anschließend püriert.
Ich bestellte ein Sirloin Steak, mit Pflaumentomaten und Austernpilzen. Ich hatte mit diesem Steak ordentlich zu kämpfen. Denn ich wußte nicht, das ein Sirloin Steak ein sehr großes, dick geschnittenes Fleisch ist. Es wird aus dem hinteren teil des Roastbeefs geschnitten und kann bis zu zwei Kilogramm wiegen. Meines hat sicher 400 Gramm auf die Wage gebracht.
Wir waren mit dem Essen sehr zufrieden. Bier gab es natürlich auch und ich bestellte mir ein Sweet Dream, ein Stout. Es war mir klar, dass, wenn ich schon wieder ein obergäriges Bier bestelle, dass das daneben gehen könnte. So war es auch. Es roch sehr ungewöhnlich; nach kaltem Kaffee. So hat es dann auch geschmeckt, mit einem Hauch von Biergeschmack. Claudia fand es ganz gut, es war ihr aber zu viel, ich hatte natürlich gleich ein Pint bestellt. Da mein Durst noch nicht gelöscht war, bestellte ich ein Camden Town helles Lagerbier – köstlich.

Am Montag hieß es dann schon goodbye London. Doch bevor wir uns auf den Weg zum Gatwick Airpot machten, besuchten wir noch den Borough Market. Auf diesem Lebensmittelmarkt bekommt man einfach alles an Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und viele Spezialitäten. Es gab sogar einen Stand, an dem tatsächlich in Deutsch Bratwurst und Sauerkraut angeschrieben waren und der gut frequentiert war. Unser Favorit auf diesem Marktwar das Gewürzgeschäft Spice Mountain mit Hunderten von Gewürzen , dort gab es einfach alles, Gewürze von ganz normal bis extrem exotisch. Viele Gewürze haben wir nicht gekannt. Dort haben wir dann auch noch einiges eingekauft.

Vier Tage London sind einfach zu kurz und wir haben uns vorgenommen, irgendwann mal wieder hinzufliegen, um uns alles etwas genauer anzusehen.

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