Kaffeemuseum Burg Hamburg – Kulinarische Welt

Während unseres Hamburg-Wochenendes im Juni 2019 besuchten wir das Kaffeemuseum Burg in der Speicherstadt. Wir hatten uns schon einige Wochen vorher für ein Kaffeeseminar angemeldet.
Das Kaffeemuseum gehört der Familie Burg, die seit 1923 eine Rösterei mit angeschlossenem Kaffeegeschäft im Stadtteil Eppendorf betreibt. Der Standort für das Kaffemuseum im Block R der Speicherstadt wurde bewußt gewählt. In diesem Teil der Speicherstadt, auch als Genussspeicher bekannt, wurde bereits 1896 von Hansen & Studt Kaffee gelagert und weiter verarbeitet. Hunderte von Exponaten der Kaffeeverarbeitung wurden von der Familie Burg zusammengetragen und können im einzigen Gewölbekeller der Speicherstadt betrachtet werden.

Hans, Andreas und Claudia im Kaffeemuseum Burg, im Hintergrund alte KaffeemühleBildquelle ©: Blinde Tomate

Das Kaffeeseminar

Das zweistündige Seminar bestand aus zwei Teilen und verging wie im Flug.

Der Theorie-Teil

Im theoretischen Teil ging es um Kaffeekunde, wie die Anbaugebiete, Pflanzenbotanik, Ernte, Verschiffung und Röstung. Wir erfuhren einiges über die Methoden der Großkonzerne, was wir befremdlich und unakzeptabel fanden.
Dass die Kaffeebäume wie auch Olivenbäume mit Maschinen geschüttelt werden, damit die reifen Früchte abfallen, war mir bekannt. Dass die Schüttelmethode für einige Großabnehmer allerdings zu aufwendig und zu teuer ist und sie daher das „Blankziehen“ bevorzugen, war mir neu. Bei der „Blankziehmethode“ reißt eine Maschine alles von den Ästen ab – Zweige, Blätter, reife und unreife Früchte sowie Blüten – ohne Rücksicht auf Verluste. Beim Kaffee, der als Massenware billig in den Supermärkten landet, legt man auch keinen Wert mehr auf Sackabfüllung für die Verschiffung. Die Kaffeebohnen werden lose in die Schiffscontainer gefüllt und direkt an die Großrösterei geliefert. Es wurde aber noch gruseliger, denn wir erfuhren, dass in den meisten Kaffeesorten, die gemahlen und vakumiert verkauft werden, bis zu 20 % Äste, Blätter und kleine Steinchen vermahlen sind. Kaffeepulver, auch Kaffeemehl genannt, ist kein geschütztes Erzeugnis. Ich glaube, es gab keinen der etwa 15 TeilnehmerInnen, der nicht verwundert war. Die Vortragende hat es dann vorgerechnet: wenn im Supermarkt 500 Gramm Kaffee für € 4,99 angeboten werden, muss man die Kaffeesteuer abziehen (€ 1,09 pro 0,5 kg, weiters die Umsatzsteuer (7 %), Frachtkosten (Seeweg und Landweg), Arbeitskosten, Verpackungskosten … da bleibt nicht viel übrig, um hochwertigen Kaffee anzubieten. Dass der Kaffeebauer von allen am schlechtesten bezahlt wird, möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen.
Es wurde schnell deutlich, dass man für guten Kaffee etwas tiefer
in die Tasche greifen muss. Wobei man auch sagen muss, dass ein 500-Gramm-Päckchen kaffee für 10 Euro oder etwas mehr nicht wirklich teuer ist, wenn man bedenkt, wie viele Tassen man damit zubereiten kann.

Der Praxisteil

Im Praxisteil wurde dann Kaffee verkostet. Es gab 8 Proben, wobei 7 Kaffeesorten mit einer French Press zubereitet waren und eine Sorte zusätzlich mit Filtermaschine.
Es war spannend, Kaffee im direkten Vergleich zu verkosten und die geschmacklichen Unterschiede zu erkennen. Wobei ich mich nicht zu den „fein Hewrausschmeckern“ zählen möchte. Ich konnte nur die groben Unterschiede, wie Säure, kräftiges oder mildes Aroma herausschmecken.Die schwierigste Aufgabenstellung war, herauszufinden, welcher der sieben Kaffeesorten auch als Filterkaffee verkostet wurde. Nur zwei Personen der Gruppe haben auf den richtigen Kaffee getippt. Getippt ist das richtige Wort, denn mit Sicherheit konnten es die beiden nicht sagen, da alle acht Kaffees sehr unterschiedlich geschmeckt haben. Damit war dann auch der Nachweis erbracht, dass es nicht nur auf den Kaffee, sondern auch auf die Brühmethode ankommt.

Fazit

Wir kaufen schon seit vielen jahren höherpreisigen Kaffee, der fair gehandelt und in Bio-Qualität angebaut wird. Diese Entscheidung war mit unserem neu Erworbenem Wissen über Kaffeeanbau und -verarbeitung nicht die schlechteste. Aus interesse habe ich mich weitergehend über die Industrieelle Billig-Kaffeeverarbeitunginformiert und noch so einiges, sehr Unaromatisches, herausgefunden. Oft wird der Kaffee im Schnellverfahren geröstet, bei Temperaturen, die jenseits des Vertretbaren liegen; bis zu 400 Grad. Das Rösten dauert nur zwei bis drei Minuten, der Kaffee ist dann extrem heiß und muss schnell heruntergekühlt werden. Er wird mit Wasser „abgelöscht“, was für die industrie einen weiteren Vorteil hat: dadurch wird der Kaffee schwerer. Vermahlene Äste, Laub, Steinchen und bis zu 5 % Wasser, bei Verwendung von minderwertigen Kaffeebohnen – anders läßt sich in der Regel kein Kaffee unter € 10,- pro 500 Gramm produzieren. Natürlich duftet auch der „Billigkaffee“, wenn man die Verpackung öffnet – und gar nicht mal so schlecht. Aber das war es auch dann: wenn der Kaffee in die Dose gefüllt wird, ist es schon am nächsten Tag vorbei mit dem guten Duft. Der Grund: ein paar wenige hocharomatische Edelbohnen werden mit vermahlen, damit beim Öffnen der Packung der Eindruck von gutem Kaffee entsteht – Verbrauchertäuschung eben.

Adresse

Kaffeemuseum Burg
St. Annenufer 2
20457 Hamburg
+49 (0) 40 466 531 67

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