Drehspieß – Warenkunde & Kochkunde

Der Drehspieß ist ein Hilfsmittel zum Grillen oder Braten. Er wird heute entweder von Hand oder elektrisch betrieben und kann waagerecht oder senkrecht stehen. Durch die stĂ€ndige Drehung wird der Braten gleichmĂ€ĂŸig erhitzt. Außerdem tropft weniger Fett ab, sondern lĂ€uft ĂŒber das Fleisch und stellt eine gute Kruste sicher.

Waagerechter Drehspieß, bestĂŒckt mit einem SpießbratenBildquelle: Zeichner: Matthias Juchem | Obersteiner spiessbraten01 | CC BY-SA 3.0

Geschichte

Historische VorlĂ€ufer der elektrischen Drehspieße waren die so genannten Bratenwender, die den auf einen Spieß gesteckten Braten mit Hilfe einer Mechanik wĂ€hrend des Bratvorgangs im offenen Feuer drehte, um das gleichmĂ€ĂŸige Garwerden des Fleischs zu gewĂ€hrleisten.
Zum ersten Mal schriftlich erwĂ€hnt wird ein Drehspieß Mitte des 14. Jahrhunderts in der Biografie eines französischen Kochs unter der Bezeichnung tournebroche. Um 1480 konstruiert Leonardo da Vinci ein solches GerĂ€t. Auf dem Titelblatt des um 1487 erschienenen Kochbuchs Die KĂŒchenmeisterey ist ein so genannter Rauchbrater zu sehen.

In den KĂŒchen des einfachen Volkes mussten die Bratspieße lange Zeit von Hand gedreht werden. In gehobenen Haushalten war dafĂŒr ein KĂŒchenjunge zustĂ€ndig. Eine entsprechende Darstellung gibt es im Buch von guter Spis aus dem Jahr 1350. Es gab auch Versuche, den Bratspieß mit Hilfe von TretmĂŒhlen anzutreiben, die von Hunden in Gang gehalten wurden, oder mit Einsatz von Wasserkraft.
Es gab drei verschiedene Formen mechanischer Drehspieße, die mit einem RĂ€derwerk angetrieben wurden, Ă€hnlich einem Uhrwerk. Beim so genannten Gewichtsbrater trieb ein an einem Seil befestigtes Gewicht das RĂ€derwerk an, das ĂŒber eine Trommel lief. Eine Verbesserung stellte im 15. Jahrhundert der FederbrĂ€ter dar, bei dem das Gewicht durch eine Spiralfeder ersetzt wurde, die in die untere Trommel gespannt und mit einem ĂŒber die obere Trommel gewickelten Strick aufgezogen wurde. Die dritte Variante waren Rauchbrater bzw. Windbrater, die ebenfalls zu dieser Zeit entwickelt wurden. Sie wurden durch den von der offenen Feuerstelle aufsteigenden Rauch durch ein Windrad angetrieben. 1803 erfand der Franzose Coteau einen Drehspieß mit Dampfantrieb.
In England war der Einsatz von Hunden, die den Bratenwender mit Hilfe eines Laufrads in Gang hielten, bis ins 19. Jahrhundert hinein weit verbreitet. Das Laufrad hieß dog-wheel. FĂŒr diese Verwendung wurde eigens eine besonders geeignete Hunderasse mit kurzen Beinen gezĂŒchtet, die den offiziellen Name Turnspit Dog („Drehspieß-Hund“) erhielt und Ähnlichkeit mit dem Corgi hatte. GrĂ¶ĂŸere Haushalte, in denen tĂ€glich Spießbraten zubereitet wurde, hatten mehrere dieser Hunde, die abwechselnd tageweise zum Einsatz kamen. Die Garzeit eines grĂ¶ĂŸeren Bratens konnte rund drei Stunden betragen. Heute ist diese Rasse ausgestorben, da sie nach dem Aufkommen moderner Drehspieße nicht mehr gebraucht und nicht mehr gezĂŒchtet wurde.

Typische Drehspieß-Gerichte

  • 🍅 BrathĂ€hnchen
  • 🍅 Döner Kebab, Schawarma
  • 🍅 Gyros
  • 🍅 Mechoui
  • 🍅 Spießbraten
  • 🍅 Spanferkel
Dieser Beitrag gehört zur Serie Warenkunde & Kochkunde – Das KĂŒchenlexikon
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