Chocolate & more münchen – Kulinarische Welt – Handel

Nach einer Führung über den Viktualienmarkt während unseres Besuchs in München wurden wir zum Abschluß in ein kleines Schokoladengeschäft zu einem Vortrag eingeladen. Mein erster Gedanke war: "Naja, eine Verkaufsveranstaltung, getarnt als Vortrag." Für gute Schokolade bin ich aber sowieso immer zu haben und war gespannt, was dort so verkauft wird. Von außen sieht das "Chocolate & more" in der Westenriederstraße 15 eher unscheinbar aus, wie einige der TeilnehmerInnen bemerkt hatten .

Nachdem wir in dem kleinen Geschäft Platz genommen hatten, begrüßte uns die Inhaberin Christina Luger und servierte uns eine Tasse heiße Schokolade, die an diesem regnerischen Taggerade recht kam. Geschmacklich war die heiße Schokolade schlicht und ergreifend "wahnsinn" – das war keine 0815 Trinkschokolade. Wie uns Frau Luger erklärte, besteht das Schokoladegetränk aus 55-prozentigem geschmolzenem Kakao und wird stundenlang gerührt.

Frau vor dem GeschäftslokalBildquelle ©: Chocolate & more

Warenkunde Kakaobohnen

Wir bekamen jeder ein Schälchen mit verschiedenen Kakaobohnen, kakao-Nibs, Schokolade und pralinen.
Bei der kleinen Warenkunde erfuhren wir in 30 Minuten viel über die Vorzüge von ungerösteten Kakaobohnen. Auch wenn der Begriff Superfood an jeder Ecke für alles und jedes verwendet wird und aus meiner Sicht schon ziemlich abgenutzt ist, so hat er seine volle Berechtigung, wenn er in Zusammenhang mit ungerösteten Kakaobohnen verwendet wird. Kakaobohnen enthalten wie kein zweites Naturprodukt Unmengen an Vitalstoffen. Bisher sind mehr als 300 davon bekannt. Durch das Rösten werdendiese gesundheitsfördernden Stoffe weitgehend zerstört.

Die Idee, die rohe Kakaobohne als natürlichen Energiesnack anzubieten, entstand vor einigen Jahren, als Luger und ihre Tochter auf der Suche nach fair gehandelter Schokolade waren. Inzwischen arbeitet die Kakaoexpertin eng mit Kleinstkooperativen zusammen. Dabei ist ihr der nachhaltige Anbau sowie der faire Handel sehr wichtig und sie zahlt den Bauern und Bäuerinnen ein Vielfaches des Weltmarktpreises für kakao.
Die erste Bohne, die wir verkosten konnten, war eine honigfarbene, rohe und unfermentierte Kakaobohne aus Panama, die mit dem anhaftenden Fruchtfleisch getrocknet wurde. Das getrocknete Fruchtfleisch liegt geschmacklich irgendwo zwischen Litschi und Melone , der Kern beziehungsweise die getrocknete Kakaobohne erinnert etwas an unreife Haselnüsse. Eigentlich ist diese kleine Köstlichkeit wie ein Bonbon, zuerst lutscht man das äußere Fruchtfleisch und zerbeißt dann denn inneren Kern. In diesem Zustand hat die Kakaobohne 20 Mal mehr Antioxidantien als alles, was sonst unter der Sonne reift, erklärte Luger. Bananen, die grün geerntet werden und auf dem Weg nach Europa im Container reifen, können keine Antioxidantien bilden.
Anschließend verkosteten wir fermentierte und geschälte Kakaobohnen aus Sri Lanka. Diese bohnen hatten eine deutliche Kakaonote, die erst durch die Fermentation entsteht. Eine Handvoll Kakaobohnen mit Schale aus Ecuador gab es dann noch zum Mitnehmen. Die Schale wird wie bei Erdnüssen geknackt. Der Vorteil bei Kakaobohnen mit Schale ist, dass man sie einfach in die Hosentasche stecken und nach bedarf jederzeit essen kann. Eine Kakaobohne zwischendurch macht richtig fit.
Wir probierten auch noch Kakao-Nibs, die mit Yacónwurzelzucker gesüßtwaren.
Kakaonibs sind geschälte, in Stückchen gebrochene, getrocknete Kakaobohnen. Sie schmecken herb und intensiv nach Kakao -wie dunkle Schokolade. Inzwischen haben die Nibs in meine Küche einzug gehalten. Verwendet habe ich sie beispielsweise in meinem Rezept "Süße Wraps". Sie schmecken auch gut im Müsli oder Joghurt.

Fazit

Es war ein sehr interessanter Vortrag über die Kakaobohne, der mich begeistert hat und viele neue Erkentnisse zum Thema Kakao vermittelt hat. Zum Abschluß gab es noch ein flammendes Plädoyer für gute Schokolade, das ich nur zu gerne unterstütze. Ein Blick auf die Zutatenliste von Schokolade läßt einen regelmäßig erschauern. Es finden sich darin Aromastoffe und Emulgatoren, der Kakaoanteil ist in der Regel sehr gering, die Kakaobutter wird durch billiges Butterreinfett oder Palmöl ersetzt.
Kakaobohnen kommen bei der Massenware meist von der Elfenbeinküste. Dort wird der Kakao oft von Kindersklaven geerntet. Nur ein sehr geringer Anteil der Kakaobohnen stammt aus biologischer Landwirtschaft. Der Löwenanteil der Kakaobohnen wird unter hohem Pestizideinsatz produziert, wobei Schutzkleidung für die ArbeiterInnen nicht selbstverständlich ist.

Adresse

Chocolate & more
Westenriederstraße 15
80331 München

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