AnstĂ€ndig essen von Karen Duve – Buchbesprechung

Autorin von AnstÀndig essen

Das Thema des Buches »AnstĂ€ndig essen« paßt eigentlich nicht zum Inhalt dieses Blogs. Da ich es aber sehr packend fand, möchte ich es trotzdem hier vorstellen.
Karin Duve beschloss 2009, verschiedene ErnĂ€hrungsweisen selbst auszuprobieren und sich fĂŒr jeweils zwei Monate Bio, vegetarisch, vegan und frutarisch zu ernĂ€hren. Es geht ihr nicht um Abnehmen oder Gesundheit, sondern um die ethischen Aspekte, um Tier- und Umweltschutz. Ihre Erfahrungen hat sie auf humorvolle Weise in diesem Buch festgehalten.

Autorin von AnstÀndig essenBildquelle WikipediaKaren Duve auf der Leipziger Buchmesse

Phase 1 (Bio) erlebt sie nicht als besonderen Verzicht, da es fast alle Produkte auch in Bio-QualitÀt gibt. Es schmeckt nur nicht alles gleich gut, wie zum Beispiel Bio-Cola.
Auch Phase 2 (vegetarisch) fĂ€llt ihr nicht schwer. Sie recherchiert ĂŒber Fleischproduktion und beschreibt Methoden der Tierhaltung, von denen man schon gehört hat, sie aber gerne verdrĂ€ngt.
Phase 3 (vegan) mit dem Motto „Nichts vom Tier am Tisch und im Kleiderschrank“ verlĂ€ngert sie auf 4 Monate, da sie Zeit braucht, um damit zurecht zu kommen. Abgesehen von den unerfreulichen ZustĂ€nden in der Tierhaltung bei der Gewinnung von Milch und Eiern geht es auch um den Klimawandel, Abholzung des Regenwaldes und den Hunger in der Welt. 80% der Sojaproduktion und ein hoher Prozentsatz der Getreideproduktion dient nicht der menschlichen Nahrung, sondern als Futter fĂŒr Schlachttier und MilchkĂŒhe. FĂŒr 1000 Kalorien, die der Mensch in Form von Fleisch zu sich nimmt, mĂŒssen 7000 Kalorien an Futter in das Tier investiert werden.
Phase 4 (frutarisch) ist sehr einschrĂ€nkend. Hier sind nur Pflanzenteile erlaubt, die man nehmen kann, ohne die Pflanze zu verletzen oder zu töten. Erlaubt sind FrĂŒchte, Samen und NĂŒsse. Wurzeln und Knollen (z.B. Kartoffeln) sind verboten. Ideal sind reife FrĂŒchte der Saison. Ob Getreide gegessen werden darf, ist umstritten. Gegen Ende dieser Phase ißt sie dreimal tĂ€glich gekochte Erbsen mit Kokosnussmilch, als ihr Obst und Obstsalat schon zum Hals heraushĂ€ngen.
Karin Duves VorsÀtze nach diesem fast einjÀhrigen Experiment:
1. wenn möglich, im Bio-Laden einkaufen, mit Ausnahme von Produkten, die ihr in konventioneller Form besser schmecken (Cola und Lakritz)
2. kein Fleisch aus Massentierhaltung essen, auch nicht bei Einladungen oder im Restaurant
3. Konsum von Fleisch, Fisch und Milchprodukten um 90 Prozent reduzieren
4. keine Produkte aus Leder und Daunen kaufen
5. insgesamt weniger kaufen und Konsum reduzieren

Trotz des teilweise schwer verdaulichen Inhalts ist das Buch sehr spannend und sogar amĂŒsant zu lesen. Die Autorin zeigt nicht mit dem Zeigefinger auf andere, sondern nimmt ihre eigenen SchwĂ€chen humorvoll unter die Lupe. Sie beschĂ€ftigt sich mit der Diskrepanz zwischen moralischem Anspruch und tatsĂ€chlichem Handeln. Durch die intensive BeschĂ€ftigung mit den Methoden der Tierhaltung kann sie nach dem Selbstversuch nicht mehr zu ihrer alten Lebensweise zurĂŒckkehren.

AnstÀndig Essen

Erschienen im Verlag Galiani, Berlin (2010)
Das Buch ist auch als Hörbuch in einer gekĂŒrzten Fassung erhĂ€ltlich, von der Autorin selbst gelesen. (Spieldauer ca. 4,5 Stunden)

Mitschnitt einer Lesung aus dem Anfang des Buches

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Über die Autorin
Karen Duve, 1961 in Hamburg geboren, lebt in der MĂ€rkischen Schweiz. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Ihre Romane »Regenroman« (1999), »Dies ist kein Liebeslied« (2005), »Die entfĂŒhrte Prinzessin« (2005), »Taxi« (2008) und »Macht« (2016) waren Bestseller und wurden in zahlreiche Sprachen ĂŒbersetzt. 2011 erschien ihr Selbstversuch »AnstĂ€ndig essen«, 2014 die Streitschrift »Warum die Sache schiefgeht«. Die Verfilmung ihres Romans »Taxi« kam im Sommer 2015 ins Kino.

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